Was sollte vor einer Baumfällung geklärt werden?
Vor einer Baumfällung müssen Standort, Baumzustand, Umgebung, Zugänglichkeit und mögliche rechtliche Vorgaben sorgfältig geprüft werden. Erst danach lässt sich entscheiden, wie die Arbeiten sicher ausgeführt werden können.
Eine Baumfällung beginnt mit der Prüfung vor Ort.
Jeder Baum und jeder Standort stellen andere Anforderungen. Auf einer freien Fläche kann eine Fällung anders geplant werden als in einem bebauten Garten mit Gebäuden, Zäunen, Leitungen oder angrenzenden Grundstücken.
Neben Baumhöhe und Stammdurchmesser sind insbesondere der Zustand des Stammes, die Verteilung der Krone, die mögliche Fallrichtung und der verfügbare Arbeitsraum wichtig.
Eine Besichtigung vor Ort hilft dabei, Risiken zu erkennen, die geeignete Arbeitsweise festzulegen und den benötigten Platz sowie mögliche Maschinen realistisch einzuplanen.
Warum soll der Baum gefällt werden?
Schäden oder Krankheit
Sichtbare Schäden, abgestorbene Bereiche, Pilzbefall oder größere Risse können Hinweise auf einen beeinträchtigten Baumzustand sein.
Gefahr für die Umgebung
Instabile Äste, eine ungünstige Neigung oder erkennbare Schäden können ein Risiko für Gebäude, Wege, Fahrzeuge oder Personen darstellen.
Bauliche Veränderungen
Geplante Zufahrten, Gebäude oder andere Bauarbeiten können mit dem vorhandenen Baumbestand in Konflikt stehen. Dabei sind mögliche Genehmigungen frühzeitig zu prüfen.
Platz und Grundstücksnutzung
Ein Baum kann für seinen Standort zu groß geworden sein oder die Nutzung angrenzender Grundstücksbereiche erheblich einschränken.
Welche Merkmale müssen geprüft werden?
Der äußere Zustand beeinflusst die Planung der Arbeiten. Ein geschädigter, teilweise abgestorbener oder stark geneigter Baum kann beim Schneiden und Fällen anders reagieren als ein gesunder Baum.
Nicht alle Schäden sind von außen eindeutig erkennbar. Bei auffälligen oder schwer einzuschätzenden Bäumen kann deshalb eine weitergehende fachliche Beurteilung notwendig sein.
Wichtige Prüfpunkte
- Baumart, Höhe und Stammdurchmesser
- Neigung und mögliche Fallrichtung
- Abgestorbene oder beschädigte Äste
- Risse und Verletzungen am Stamm
- Auffälligkeiten im Wurzelbereich
- Hohlräume oder sichtbarer Pilzbefall
- Verteilung und Zustand der Baumkrone
Darf der Baum ohne Genehmigung gefällt werden?
Ob eine Baumfällung erlaubt ist, hängt unter anderem vom Standort, vom Schutzstatus des Baumes und von örtlichen Regelungen ab. Eine allgemeine Antwort für jeden Baum gibt es deshalb nicht.
Städte und Gemeinden können bestimmte Bäume beispielsweise durch eine Baumschutzsatzung schützen. Weitere Vorgaben können sich aus Schutzgebieten, dem Denkmalschutz, Bebauungsplänen oder dem Status als Naturdenkmal ergeben.
Das Bundesnaturschutzgesetz enthält außerdem zeitliche Einschränkungen für die Beseitigung bestimmter Bäume und Gehölze. Ob diese Einschränkungen im konkreten Fall greifen, hängt auch von der Lage und Nutzung der betroffenen Fläche ab.
Vor der Beauftragung sollte deshalb bei der zuständigen Gemeinde oder Naturschutzbehörde geklärt werden, ob eine Genehmigung, Befreiung oder weitere Prüfung benötigt wird.
- Gibt es eine örtliche Baumschutzsatzung?
- Steht der Baum in einem Schutzgebiet?
- Ist er als Naturdenkmal oder geschütztes Element erfasst?
- Enthält ein Bebauungsplan Vorgaben zum Baumerhalt?
- Ist eine Genehmigung oder Befreiung erforderlich?
- Gibt es Vorgaben für eine Ersatzpflanzung?
Artenschutz gilt unabhängig vom Fällzeitpunkt.
Vor jeder Baumfällung muss geprüft werden, ob der Baum von Tieren genutzt wird. Neben sichtbaren Vogelnestern können sich in Baumhöhlen, Spalten oder unter gelöster Rinde auch geschützte Lebensstätten befinden.
Werden Tiere, besetzte Nester oder andere geschützte Fortpflanzungs- und Ruhestätten festgestellt, dürfen die Arbeiten nicht einfach begonnen werden. Das weitere Vorgehen muss mit der zuständigen Behörde beziehungsweise einer fachkundigen Stelle abgestimmt werden.
Darauf sollte geachtet werden
- Aktuell besetzte Vogelnester
- Baumhöhlen und größere Spalten
- Mögliche Fledermausquartiere
- Spechthöhlen und alte Brutplätze
- Tierbewegungen im Bereich der Krone
- Weitere auffällige Lebensstätten am Baum
Was befindet sich rund um den Baum?
Gebäude und Dächer
Wohnhäuser, Garagen, Gartenhäuser und Dachflächen können die mögliche Fallrichtung und die Arbeitsweise erheblich einschränken.
Straßen und Wege
Öffentliche oder stark genutzte Bereiche müssen bei der Planung abgesichert werden. Gegebenenfalls sind zusätzliche Abstimmungen oder Sicherungsmaßnahmen notwendig.
Leitungen und Einbauten
Freileitungen, unterirdische Leitungen, Schächte und Entwässerungseinrichtungen müssen vor Beginn der Arbeiten berücksichtigt werden.
Nachbargrundstücke
Überhängende Äste, Grundstücksgrenzen und benötigte Arbeitsflächen können eine vorherige Abstimmung mit angrenzenden Eigentümern erforderlich machen.
Ist der Baum sicher erreichbar?
Die Zugänglichkeit entscheidet mit darüber, welche Arbeitsweise und welche Geräte eingesetzt werden können. Eine breite Hofzufahrt bietet andere Möglichkeiten als ein schmaler Zugang hinter einem Wohngebäude.
Auch der Platz für Stammteile, Äste, Maschinen und den späteren Abtransport muss eingeplant werden. Engstellen, Treppen oder empfindliche Gartenflächen können den Ablauf zusätzlich beeinflussen.
Zugänglichkeit prüfen
- Breite und Höhe der Zufahrt
- Tragfähigkeit vorhandener Wege
- Platz für Maschinen und Arbeitsgeräte
- Erreichbarkeit des Baumstandortes
- Mögliche Engstellen oder Treppen
- Platz für Äste und Stammabschnitte
- Möglichkeit zum Abtransport des Schnittguts
Kann der Baum im Ganzen gefällt werden?
Fällung in eine Richtung
Ist ausreichend freier Raum vorhanden, kann möglicherweise eine kontrollierte Fällung des ganzen Baumes geplant werden. Dafür muss ein geeigneter und sicherer Fallbereich bestehen.
Abschnittsweiser Abtrag
In engen oder bebauten Bereichen kann es notwendig sein, den Baum schrittweise von oben nach unten abzutragen und einzelne Teile kontrolliert abzulassen.
Maschinelle Unterstützung
Abhängig von Standort und Baumgröße können geeignete Maschinen oder Hubtechnik erforderlich sein. Dafür müssen Zufahrt und Aufstellfläche ausreichen.
Absperrung und Sicherung
Der Arbeits- und Gefahrenbereich muss während der Arbeiten freigehalten und passend zur Umgebung abgesichert werden.
Was geschieht mit Holz, Ästen und Baumstumpf?
Bereits vor der Fällung sollte geklärt werden, in welchem Umfang das anfallende Material verarbeitet oder abtransportiert werden soll.
Stammholz kann je nach Wunsch in transportierbare Stücke geteilt oder für eine spätere Nutzung vorbereitet werden. Äste und Kronenmaterial verursachen häufig ein größeres Volumen und benötigen ausreichend Lager- oder Transportfläche.
Zusätzlich muss entschieden werden, ob der verbleibende Baumstumpf bestehen bleiben oder gesondert bearbeitet werden soll. Diese Arbeiten sind nicht automatisch Bestandteil jeder Baumfällung.
- Stammholz zerteilen oder abtransportieren
- Äste und Kronenmaterial aufnehmen
- Holz zur eigenen Nutzung vorbereiten
- Umgang mit dem Baumstumpf festlegen
- Arbeitsbereich abschließend reinigen
Diese Fragen sollten vorher beantwortet sein.
- Warum soll der Baum gefällt werden?
- Wie ist der Zustand von Stamm, Krone und Wurzelbereich?
- Welche Gebäude, Wege oder Leitungen befinden sich in der Nähe?
- Steht ausreichend Arbeits- und Fallraum zur Verfügung?
- Kann der Standort mit benötigten Geräten erreicht werden?
- Werden Nachbargrundstücke oder öffentliche Flächen berührt?
- Ist eine behördliche Genehmigung erforderlich?
- Sind Nester, Baumhöhlen oder andere Lebensstätten vorhanden?
- Wie sollen Holz, Äste und Baumstumpf behandelt werden?
- Welche Absperrungen und Sicherungsmaßnahmen sind notwendig?
Erst prüfen, dann die Baumarbeiten planen.
Eine Baumfällung muss zum Zustand des Baumes, zum vorhandenen Platz und zur Umgebung passen. Zusätzlich sind Genehmigungen, Artenschutz, Zugänglichkeit und der spätere Umgang mit Holz und Schnittgut frühzeitig zu klären.
